Kritik anderer

Neben dem Bündnis „Eine S-Bahn für alle“ und seinen Unterstützern haben sich viele andere Organisationen, Gewerkschaften und Fahrgastverbände kritisch zur geplanten Ausschreibung insgesamt oder zu Teilen davon geäußert:

  • IG Metall Berlin, 10.02.2021:
„Im schlimmsten Falle ist bald ein Dutzend unterschiedlicher Akteure für Teilnetze, Bau, Wartung und Betrieb verantwortlich. Chaos ist vorprogrammiert. Die IG Metall Berlin lehnt deshalb eine Privatisierung und Zerschlagung ab und fordert einen Stopp des Vergabeverfahrens.“

„Zusammenhängende Netze sollten von einem Verkehrsunternehmen erbracht werden. (…) Insbesondere die klassischen S-Bahn-Systeme in Berlin oder Hamburg sind extrem komplex und haben eigene, teilweise sehr spezielle Anforderungen.“

„Erhöht man nun die Zahl der auf das System einwirkenden Unternehmen, die einander zudem völlig fremd sind, erhöht man auch den Koordinierungsaufwand im Störungsfall erheblich. (…) Unseres Erachtens gibt es also in den drei Kostenblöcken Infrastruktur, Fahrzeuge und Personal tendenziell keine relevanten Kalkulationsvorteile einzelner Bewerber.“

„Eine (…) ergebnisoffene Prüfung hat unter den aktuellen Rahmenbedingungen bisher nicht stattgefunden, insbesondere wurden keine Verhandlungen mit der Deutschen Bahn aufge-nommen, ob es Wege gibt, Infrastruktur und Betrieb der S-Bahn Berlin wieder zusammenzuführen.“

  • Vorstand der Abteilung 12 der SPD Friedrichshain-Kreuzberg, 16.04.2020:

„Der Landesvorstand der SPD Berlin wird aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass die SPD-Abgeordnetenhaus-Fraktion und die Mitglieder der SPD im Berliner Senat, sich für ein sofortiges Moratorium für die S-Bahn-Ausschreibung einsetzen. Das Thema ist nach wie vor hoch umstritten (siehe nachfolgenden KDV-Beschluss der SPD-Friedrichshain/Kreuzberg) und es bestehen derzeit keine demokratischen Möglichkeiten der Einflussnahme.“

„Kurzfristig sind die beabsichtigte Ausschreibung und die daraus resultierendenVerkehrsverträge so zu ändern, dass das Gesamtnetz wieder zu einem Ganzen zusammengeführt werden kann.“

„Die Kosten für die zentrale Werkstatt werden sehr viel höher sein, als bisher vom Senat angegeben. (…) Die Kosten für die S-Bahn-Strecke von Wartenberg bis zur geplanten neuen Werkstatt werden sehr viel höher sein, als bisher angegeben. (…) Vorhandene funktionsfähige und gut im Netz gelegene Werkstätten zu schließen, um eine neue zu bauen, ist volkswirtschaftlich unverantwortlich. (…) Die Zeitschiene ist unrealistisch. Weder die Werkstatt noch die Streckenverlängerung von Wartenberg zur Werkstatt werden vor 2030 fertiggestellt sein können.“

  • SPD Friedrichshain-Kreuzberg, 15.02.2020:

„Deshalb fordern wir: […] keine Privatisierung und Zerschlagung der Berliner S-Bahn. Den entsprechenden Senatsbeschluss lehnen wir ab. Die Ausschreibung für die neuen Fahrzeuge für den landeseigenen Fahrzeugpool muss davon unabhängig schnellstmöglich erfolgen.“

„Nur unter bestimmten Bedingungen kann ein leistungsfähiger Betrieb erhalten bleiben und ein Chaos vermieden werden. Dazu zählt unter anderem, dass die Weiterbeschäftigung aller betroffenen Arbeitnehmer*innen der S-Bahn Berlin GmbH unter den aktuell bestehenden Arbeits- und Sozialbedingungen garantiert werden muss – nach dem EVG-Tarifvertrag für die S-Bahn Berlin, der für alle Beschäftigtengruppen gilt. Der Senatsbeschluss sieht dies aber nicht vor und benennt Tarifverträge, die für die S-Bahn Berlin nicht relevant sind und schlechtere Bedingungen vorsehen.“

  • Landeskonferenz der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer*innenfragen der SPD Berlin, 04.01.2020:

„Nein zur Ausschreibung und Zerschlagung der S-Bahn – 100 % S- Bahn, ein Betrieb aus einer Hand. Die Bürger*innen Berlins haben ein Recht auf eine funktionierende S-Bahn!“

„In der geplanten Ausschreibung sehen die Unterzeichner das Risiko steigender Kosten und einer größeren Störanfälligkeit und fordern daher Veränderungen.“

„Wir teilen die Befürchtung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, EVG, dass mit diesem Ausschreibungskonzept erhebliche Nachteile für die Beschäftigten der S-Bahn und für die Fahrgäste in Berlin und Brandenburg drohen.“